Der neue Kreisvorstand wurde gewählt!

MITTELDEUTSCHE ZEITUNG – LOKALES

Umbruch bei den Grünen

Trotz Wahlniederlagen hat die Partei Zulauf. Das spiegelt sich auch im neuen Parteivorstand wider. Dort ist niemand länger als drei Jahre Mitglied. Was das für die Arbeit bedeutet.

VON ROBERT BRIEST

MERSEBURG/MZ. „Wir sind alle noch sehr frisch in der Partei. Wir fünf sind alle eingetreten, als es keine grüne Welle mehr gab, sondern als es schwierig war und immer schwieriger wurde. Vielleicht haben wir deshalb eine andere Einstellung zur Partei und zur Politik insgesamt“, mutmaßt Susanne Otto.
Die Alstedterin ist mit zweieinhalb Jahren das längstgediente Grünen-Mitglied im frisch gewählten Kreisvorstand und die einzige, die schon vor zwei Jahren zum Führungsquintett gehörte.

„Ich bin kein Freund von: ‚Wir haben das immer schon so gemacht.‘“
Susanne Otto, Kreisvorsitzende Grüne

Ihr bisheriger Co-Vorsitzender Richard Hermanowski habe nicht mehr kandidiert, weil er demnächst aus Merseburg wegziehen werde, berichtet Otto. Stattdessen hat sie nun eine gebürtige Ostfriesin an ihrer Seite: Maike Juds, 30, promovierende Psychologin, tätig in der Forschung, seit vier Jahren im Saalekreis und Grüne seit Mai 2024.
„Der ausschlaggebende Punkt, weshalb ich damals beigetreten bin, war, die Europawahl mit dem Erstarken der rechten Kräfte nur schwerlich mit ansehen zu können“, so Juds. „Man muss sich bewegen.“

Das Quintett wird vollständig durch Sylvia Gerloff als Schatzmeisterin sowie Kevin Aethner und den jungen Leon Lenny Elias Eisfelder-Mylius als Beisitzer ergänzt.
Zwei feste Bewerber gebe es schon und zwei, die es eventuell machen wollen, sagt Otto. Auf einen eigenen Landratskandidaten würde die Partei Stand jetzt allerdings verzichten.

Unabhängig vom Geschehen an der Urne hat sich der neue Vorstand für seine zweijährige Amtszeit zum Ziel gesetzt, die Grünen weiter zu etablieren. „Wir wissen, dass das außerhalb der Städte schwierig ist“, räumt Otto ein. Ihr Rezept: Man müsse auf die Lebensrealität der Menschen eingehen.
Juds ergänzt: „Umweltschutz muss mit dem Leben der Menschen vereinbar sein. Man kann Leuten nicht die Lebensgrundlage entziehen, sonst nimmt man sie nicht mit.“

Als Schwerpunktthemen nennt Otto zudem den ÖPNV-Ausbau, Bildung und Gesundheit.
Durch ihre Arbeit als Hausärztin und Physiotherapeutin beziehungsweise die sitzende Stadträtin werde es auch eine größere Öffentlichkeit für diese Bereiche geben. Bestandteil des Programms sollen zudem der Schutz der Chemiestandorte im Saalekreis und das Engagement für Menschen- und Umweltschutz sein.

„Ich bin darüber sehr erstaunt, wie sehr sich die Grünen hier mit Menschen- und Umweltschutz beschäftigen und wie wenig das für soziale Gerechtigkeit sowie eine feministische Politik berücksichtigt wurde“, verweist Otto auf die geplante inhaltliche Neuausrichtung.

Dass es nun so viele junge Mitglieder gebe, sei kein Problem. „Ich bin kein Freund von ‚Wir haben das immer schon so gemacht‘. Veränderungen gehen nur, wenn bestimmte Bedingungen passen“, sagt sie. „Ich möchte mich in der kommunalen Entwicklung des Kreisverbandes weiter einbringen.“

Die nächste Mitgliederversammlung im Saalekreis soll voraussichtlich am 15. März 2025 stattfinden.

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